22.07.2014

Einfaches Überkleid (erster Versuch)

Eine kleine Korrektur gleich vornweg: Ich hatte vorher davon geschrieben, dass ich ein braunes Unterkleid nähen wollte. Ich habe das später noch editiert, denn es ist tatsächlich ein Überkleid und ich habe mich falsch ausgedrückt. Das Kleid wird zwar unter dem Hängerock getragen, zählt aber als Überkleid. Ein Unterkleid ist quasi die Unterwäsche und kann wie ein langärmeliges Kleid geschnitten sein, aber auch kurze sogenannte Leibhemden/Leibchen oder auch Trägerkleider manche sogar mit "eingebautem BH" können je nach Darstellungszeit möglich sein. Unterkleider sind in der Regel also nicht zu sehen und somit ist mein braunes Wollkleid ein Überkleid, der Hängerock wäre dann ein weiteres Überkleid

Ich konnte das Wollüberkleid und ein Leibhemd aus Leinen schon ca. einen Monat nach dem Hängerock angehen. Allerdings ist das Leibhemd vollkommen schief gegangen und auch mit dem Wollkleid war ich so unzufrieden, dass ich es bis jetzt noch nicht gebloggt habe. Ich trage es, aber ich muss mit den Fehlern leben und flicken musste ich es auch schon ganz oft vorallen am Arm-Ansatz. Nun aber trotzdem zur Anleitung, ja diesmal habe ich mir Mühe gegeben direkt eine Anleitung zu schreiben

Überkleid noch ohne Fehler bzw. Korrekturen

Bei diesem Kleid habe ich mich hauptsächlich nach diesen beiden Anleitungen gerichtet:

 

 Anleitung


Als erstes habe ich das Maßband ausgepackt und die Maße genommen, die ich in diesem groben Schnittmuster gekennzeichnet habe.

grobes Schnittmuster

a) Brustumfang  + ca. 2 - 4 cm Naht- und Bequemlichkeitszugaben
Mann kann es sich mit den Bequemlichkeitszugaben auch leichter machen, indem man ein lockeres Shirt anzieht, direkt darüber misst und nochmals ca. 2 cm Nahtzugabe dazu rechnet.

b) gewünschte Länge
Die Länge wird ab Schultermitte gemessen. Ihr könnt in der Länge ruhig großzügige Zugaben machen und erst nach dem Nähen das Kleid in der Länge abstecken.

*) beliebiges Maß
Könnte z.B. genauso wie a) sein oder einfach die Breite des Reststoffes, das kommt darauf an, wie weit man den endgültigen Saum haben möchte.

c) Keillänge
Diese Länge ist von vielen Faktoren abhängig: Wo man die Keile ansetzen möchte, wie breit der Ärmel ist und wie lang das Kleid endgültig wird. Ich habe die Keile direkt unter den Achseln angesetzt und folglich von dort gemessen.

d) Armumfang an der Schulter + ca. 2 - 4 cm Naht- und Bequemlichkeitszugaben

e) Ärmellänge
Es wird ab der Schulter bis zur gewünschten Länge gemessen, üblich ist bis zum Handgelenk.

f) Handbreite (oder mehr) + ca. 2 - 4 cm Naht- und Bequemlichkeitszugaben
Der Handgelenksumfang ist meist nicht ausreichend, um mit der Hand durch die Ärmelöffnung zu schlüpfen. Möchtet ihr das Kleid am Handgelenk enganliegend, müsst ihr einen Schlitz oder eine Knopfleiste einarbeiten.

Die rechten Winkel habe ich nur in den Keilen eingezeichnet, weil sie dort wichtig sind. Sie sind natürlich aber auch in den anderen Rechtecken vorhanden.

Beim Ärmel gibt es zwei Möglichkeiten. Man kann entweder einen geraden Ärmel mit dem Rechteck aus d) und e) wählen oder einen zum Handgelenk hin enger werdenden Ärmel indem man den grauen Linien folgt und ein Trapez aus d) und f) erstellt.

Stoff zurecht geschnitten

Danach habe ich das Ganze auf den Stoff übertragen. Bei einem simplen Schnittmuster lediglich aus geometrischen Formen, braucht man es nicht vorher auf Papier übertragen. Wer das trotzdem tun möchte, dem will ich das natürlich nicht ausreden Auf dem Bild habe ich die beiden Torso-Teile übereinander gelegt und die Ärmel gefaltet, um mir das Endprodukt besser vorzustellen.

Für den Halsausschnitt habe ich leider kein professionelles Schneider-Rezept. Ich habe bei einem passenden Kleidungsstück ein Stück Papier in den Ausschnitt gelegt, diesen vorn und hinten nachgezeichnet und die Schulternaht markiert. Danach habe ich das Papier zurecht geschnitten, mit Hilfe der Schulterlinie auf dem Stoff ausgerichtet und den Halsausschnitt mit etwas Nahtzugabe aufgezeichnet und aus dem Stoff ausgeschnitten.

Ärmel an den Torso-Teilen

Dann ging es an die Nähmaschine. Zu erst die Torso-Teile an den Schultern zusammennähen. Danach bei den Ärmeln die Mittellinie markieren, an die Schulternaht anlegen und an den Torso-Teilen annähen. Am besten ihr näht jetzt noch nicht den Ärmel am Handgelenk um, könnte ja sein, dass noch nicht alles passt!

moderner Ausschnitt

Allerdings könnt ihr den Ausschnitt am besten jetzt versäubern. Dazu gibt es viele Varianten, von Ziernähten per Hand (z.B. Knopfloch-Stich) über Besatz aus farbigem Stoff, Brettchen- oder anderer Webborte bis hin zu fummeligem Umlegen und Festnähen wie man es an Säumen macht. Es gibt aber eine schöne, moderne Möglichkeit, die man auch zur Sicherheit unter eine der anderen Varianten anwenden kann.

Der Ausschnitt funktioniert wie der Schlitz in dieser Taschentuchbox-Anleitung von Martchen. (Edit: Leider hat Martchen ihren Blog eingestellt. Schaut doch mal, was Google so zum Thema "Ausschnitt verstürzen" ausspuckt, das dürfte euch weiterhelfen.) Aufgrund der runden Form kann es ein paar wenige Falten auf der Innenseite geben, ansonsten funktioniert es aber perfekt!

Torso mit Keilen (2+3 im selben Fadenverlauf)

Nun habe ich die Keile jeweils rechts und links an einen der Torso-Teile genäht. Anders als beim Hängerrock ist es hier aber besser die rechten Winkel vom Torso-Teil weg zu legen, da das Kleid meist am Saum später noch abgerundet wird. Die Keile rechts und links eines Torso-Teils sollten wieder im selben Fadenverlauf sein. Diesen könnt ihr euch gleich von Anfang an (z.B. mit einer Kontrastnaht) auf den Schnittteilen markieren.

Danach wurden die Seitennähte komplett geschlossen. Das heißt, ich habe an jeder Seite die Keile zusammengenäht und im selben Zug auch den Ärmel. Ich warne euch vor, an der Achsel wird es ziemlich fummelig und ich habe im Nachhinein dort nochmal eine Handnaht machen müssen!

Nachdem alle Nähte geschlossen waren, habe ich das Kleid anprobiert und Ärmel und Saum abgesteckt. Legt unbedingt einen Gürtel an, bevor ihr die Kleidlänge festlegt! Durch den Gürtel entstehen Falten, der Stoff wird nach oben gerafft und das Kleid somit kürzer.

Wollt ihr das Kleid am Saum abrunden, dann steckt einen Faden an die Schulternaht neben dem Halsausschnitt fest. Legt den Faden gerade nach unten an den abgesteckten Saum. Knotet oder haltet einen Stift an das Ende und schneidet den Faden ab. Dann könnt ihr ihn wie einen großen Zirkel führen und erhaltet eine Rundung. Macht das aber jeweils nur rechts und links des Ausschnits. Der Bereich des Halsausschnitts selber bleibt gerade. Wenn dann alles abgesteckt wurde und passt, könnt ihr den Kleid- und Ärmelsaum umnähen.

Ich hatte meine Gedanken nicht beisammen und vergessen einen Gürtel anzulegen. Dadurch habe ich deutlich zu viel vom Saum abgeschnitten und musste wieder etwas anstückeln. Ich hatte geplant diese Naht mit einer Stickerei ein wenig zu verdecken, doch leider habe ich schon viel am Kleid flicken müssen und habe beschlossen mir die Stickerei für eine Neuauflage dieses Kleides aufzuheben. Anscheinend habe ich zu nah am Rand genäht, sodass durch Bewegung einige Nähte (gerade an Schulter und Achsel) wieder stellenweiße aufgegangen sind. Auch lässt die Bewegungsfreiheit zu wünschen übrig, ca. 5cm breitere Keile wären besser gewesen, die hat der Stoff aber nicht mehr hergegeben.

http://2.bp.blogspot.com/-Y2OSUvfSpFo/U859uSW3mxI/AAAAAAAABnc/bq8AkN6l3CQ/s1600/DSC_0035.JPG     http://4.bp.blogspot.com/-esH2HpFPjfI/U859ttz6erI/AAAAAAAABng/oURePIm1PLI/s1600/DSC_0033.JPG

Hier könnt ihr nochmal das Kleid einzeln und mit Hängerock sehen. Den angestückelten Saum sieht man leider bei beiden Trageweisen recht deutlich.

Schwierigkeit: ■■■□□
Zeit: ca. 20 Std.
verwendete Materialien: ca. 2m leichte, wallnussbraune Wolle von Naturtuche.de

Wie beim Hängerock reicht grundlegendes Nähwissen wie Maße nehmen, auf Links nähen, irgendeine Art von Säumen und evtl. Versäubern aus. Allerdings erfordert es etwas Übung und Fingerspitzengefühl die Achseln und den Ausschnitt zu nähen, deshalb ein Schwierigkeitsgrad höher. Ich habe wieder zwei oder drei Tage hintereinander gearbeitet und schätze meine Zeit (mit der langsamen Tret-Nähmaschine) auf ca. 20 Stunden.

Und solltet ihr noch Fragen haben, dann nutzt die Kommentare oder schreibt mich auf meiner Facebook-Seite an.

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